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3. November 2017

Von der Geschäftsidee zur globalen Chance

Wiener Zeitung, Gastbeitrag: Crowdfunding und Initial Coin Offerings: die Zukunft der Start-up-Finanzierung.

Von Barbara Jakubowics

Im sich ständig wandelnden Marktumfeld können aus innovativen Geschäftsideen innerhalb kurzer Zeit globale Chancen erwachsen.Um diese Chancen nützen zu können, müssen Start-ups auf dem Weg zur erfolgreichen Positionierung ihres Produktes am Markt zahlreiche Herausforderungen meistern. Dazu müssen alle Faktoren stimmen: Produkt, Markt, Zeitpunkt, Partner und nicht zu vergessen die Finanzierung.

Die Wahl der richtigen, risikoadäquaten Finanzierung in der Gründungs- und Wachstumsphase jedes Unternehmens ist maßgeblich für den Erfolg des unternehmerischen Vorhabens. Die innovativste Geschäftsidee ist nicht realisierbar, wenn sich deren Finanzierung nicht sichern lässt. Die Finanzierungsalternativen, die Start-ups zur Verfügung stehen, sind vielfältig und reichen von klassischem Fremdkapital (Bankkrediten) über Förderungen und Crowdfunding bis hin zu Eigenkapitalfinanzierungen, die meist durch Business Angels, Incubatoren und Venture Capital Unternehmen erfolgen. Letztere sind darauf spezialisiert, in Unternehmen in der Frühphase zu investieren und diesen mit unternehmerischem Know-how, fundierten Branchenkenntnissen sowie Management-Expertise zu unterstützen.

Founder, Friends und Family

Verhältnismäßig neue Finanzierungsformen für Start-ups sind Crowfunding und Initial Coin Offerings (ICO). Diese sind vor allem für Start-ups in der Frühphase interessant, wenn das Risiko des Scheiterns der Geschäftsidee am größten ist und somit andere Finanzierungsformen oft noch nicht zur Verfügung stehen. Bis zuletzt mussten die ersten Unternehmensschritte daher fast ausschließlich durch die „3F“ finanziert werden: Founder, Friends und Family.

Crowdfunding hat – nicht zuletzt aus diesem Grund – innerhalb kurzer Zeit eine hohe Popularität erreicht. Die Grundidee des klassischen Crowdfundings ist schnell erklärt: Ein Unternehmen unterbreitet einem großen Teilnehmerkreis (meist über eine sogenannte Crowdfunding-Plattform) eine Investitionsmöglichkeit. Die Teilnehmer zahlen in einen Pool jeweils geringe Beträge bis zu einer bestimmten kritischen Grenze („Realisierungsgrenze“) ein. Wird die Realisierungsgrenze erreicht, wird das Projekt realisiert; wird diese nicht erreicht, werden bereits geleistete Einlagen zurückerstattet. Bei Realisierung der Geschäftsidee wird den Investoren meist eine Gegenleistung oder sonstige Vergütung in Aussicht gestellt.

Kryptowährung Bitcoin

Crowdfunding kann verschiedene Erscheinungsformen aufweisen. Man unterscheidet zwischen Lending-Based, Equity-Based oder Reward-Based Crowdfunding. Wie die Begrifflichkeiten vermuten lassen, wird beim Lending-Based Crowdfunding die Finanzierung als (Nachrang-) Darlehen und beim Equity-Based Crowdfunding als Eigenkapital strukturiert. Der Investor erhält entweder eine Verzinsung oder eine Beteiligung am Unternehmensgewinn des Start-ups. Beim Reward-Based Crowdfunding besteht die Gegenleistung häufig im vorzeitigen Zugang zum finanzierten Produkt (gratis Abos, Premierenkarten) respektive der neuen Dienstleistung des Start-ups.

Das Initial Coin Offering (ICO) ist der Weg, den insbesondere technologielastige Start-ups wählen, um sich in der Frühphase zu finanzieren. Ein ICO stellt eine Form des Crowfundings dar. Der Terminus ICO orientiert sich am englischen Terminus Initial Public Offering (IPO) für Börsengang. Während bei einem IPO jedoch Aktien am Unternehmen angeboten und verkauft werden, geht es bei einem ICO um den Verkauf sogenannter Tokens. Tokens sind im Grunde digitale Coupons, deren Funktion je nach ICO variieren kann. Tokens werden üblicherweise gegen Zahlung des Ausgabebetrags in einer der arrivierten Kryptowährungen Ether oder Bitcoin ausgegeben.

In vielen Fällen stellen Tokens eine Kryptowährung (zum Beispiel ein Zahlungsmittel für die zu entwickelnde „gaming platform“) für das Produkt, das mit ihnen finanziert wird, dar. Investoren erhalten die Möglichkeit, frühzeitig in eine Kryptowährung zu investieren, die eigentlich noch gar nicht verfügbar ist.

Stimmrechte durch Tokens

Der Währungsaspekt ist allerdings nur eine Funktion von zahlreichen Funktionen, die die Tokens einnehmen können. Eine andere ist beispielsweise das Stimmrecht an „decentralized autonomous organization“ DAO. Durch den Erwerb der Tokens kann ein Investor auch Stimmrechte über die Mitbestimmung bei einer solchen digitalen Organisation erwerben.

Dass immer mehr Investoren in ICOs eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit sehen, zeigt sich daran, dass alleine 2017 schon mehr als 180 Millionen US-Dollar in verschiedene ICOs investiert wurde. Dieser Boom ruft allerdings auch die Regulatoren auf den Plan. Die Angst vor einem nicht regulierten Schattenmarkt und einer großen Blase wächst. Die traditionellen Kapitalmärkte unterliegen Regulierungen, die vor allem dem Schutz der Anleger dienen. Für Crowdfunding und ICOs hingegen gelten diese Vorgaben noch nicht.

Nichtsdestotrotz stellen Crowdfunding und ICOs eine extrem spannende Entwicklung und ein attraktives Finanzierungsinstrument für Start-ups dar. Die Gesetzgeber, Regulatoren und Gerichte weltweit hinken der rasanten Entwicklung dieser Form der Finanzierungen allerdings noch nach. Vor allem in Sachen ICOs sind viele rechtliche und regulatorische Fragen derzeit noch weitgehend ungelöst. Der damit einhergehenden Risiken sollte sich jeder Start-up-Unternehmer, der sich einer solchen Finanzierungsform bedient, bewusst sein. Investoren wiederum sollten sehr genau hinschauen, bevor sie in ein ICO oder in Crowdfunding investieren.

zum Wiener Zeitungsartikel

 

 

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